Bilanzpressekonferenz
Der Vorstand auf der Bilanzpressekonferenz am 4. Mai 2010
Detthold Aden: Meine Damen und Herren, unsere Umsatzerlöse sind 2009 um 15 Prozent auf 818,5 Millionen Euro zurückgegangen und unser Vorsteuerergebnis ist in der Krise um 80 Prozent auf 16,5 Millionen Euro geschrumpft. Das ist völlig unbefriedigend.
Vor dem Hintergrund der weltweiten Krise, von der die Seehäfen ganz besonders betroffen sind, überhaupt in den schwarzen Zahlen zu bleiben, war ein großer Kraftakt, der allein mit Sparmaßnahmen und hartem Kostenmanagement nicht zu schaffen war. Dieser Kraftakt hat auch von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefordert.
Diese Zugeständnisse der tariflich beschäftigten Arbeitnehmer haben wir im letzten Jahr gemeinsam mit unseren Betriebsräten und der Gewerkschaft ver.di realisieren können.
So konnten wir 2009 alle unsere Stammarbeitsplätze in der BLG-Gruppe erhalten und auch für dieses Jahr wieder unsere Zusage geben. Es gab lediglich eine geringe Fluktuation durch das Nichtnachbesetzen der Stellen ausscheidender Mitarbeiter.
Allerdings musste der GHBV, unser Personaldienstleister in den Seehäfen, erheblich Personal abbauen. Das ist weitgehend durch die Auflösung befristeter Beschäftigungsverhältnisse geschehen. Es gab aber auch einige Kündigungen und Umsetzungen, die für Unruhe gesorgt haben.
Strittig war auch die Forderung der BLG nach einer neuen Lohngruppe für die Autoterminals. Kürzlich ist aber die Einigung zwischen dem Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe und ver.di auf einen Grundlohn von 10,90 Euro für die Fahrer auf den Autoterminals in den deutschen Seehäfen erfolgt.
Aktuell verhandelt wird auf zentraler Ebene der gesamte Hafentarif. Auch hier erwarten wir Ergebnisse, die der gegenwärtigen Lage gerecht werden.
Bei den finanziellen Zugeständnissen sind die Führungskräfte übrigens vorangegangen. Wir haben eine lineare Kürzung der festen Bezüge um fünf Prozent vereinbart. Darüber hinaus sind alle Führungskräfte von den entfallenden erfolgsabhängigen variablen Vergütungen betroffen. Das kann je nach Verantwortungsbereich bei fast 50 Prozent des Jahreseinkommens liegen. Die Bezüge der Vorstände finden Sie auf der Seite 45 unseres Geschäftsberichts.
Positive Effekte für das Vorsteuerergebnis 2009 ergaben sich aber auch durch unsere neue Doppelstrategie, die wir im vergangenen Jahr entwickelt haben. Ein internes Team aus Führungskräften hat Einsparpotenziale definiert und marktorientierte Handlungsempfehlungen erarbeitet.
Im Rahmen unserer Doppelstrategie sparen wir in allen Bereichen, in denen das möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. So haben wir auch unsere Investitionen dem geringeren Bedarf angepasst. Darauf wird unser Finanzvorstand Hillert Onnen noch näher eingehen.
Auf der anderen Seite haben wir eine Marktoffensive gestartet und investieren gleichzeitig weiter in zukunftsfähige Märkte. Dabei ist Osteuropa gegenwärtig ein Schwerpunkt – und hier vor allem die Automobillogistik. Osteuropa ist ein großer Wachstumsmarkt vor unserer Haustür – auch wenn die Krise dort zurzeit noch sehr starke Wirkungen zeigt.
Außerdem investieren wir in neue Autotransporter und in die weitere Aufstockung des Waggonparks unserer BLG AutoRail.
Bei der Marktoffensive geht es um die Sicherung vorhandener Geschäfte und die Akquisition neuer Geschäfte. Das ist in Krisenzeiten natürlich besonders schwierig und lässt sich nur über die Kostenführerschaft erreichen.
Aber es geht auch um die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Darin liegen besondere Chancen in Gegenwart und Zukunft. Deshalb haben wir unserem Geschäftsbericht auch den Titel „chancenbewusst“ gegeben.
Ein Beispiel für neue Chancen ist die Windenergie - und hier insbesondere der Bereich Offshore. Durch die politischen Vorgaben und ehrgeizigen Ziele, Energie künftig deutlich stärker regenerativ zu gewinnen, steht der Windenergiebranche in den kommenden Jahren ein anhaltender Boom ins Haus.
Die Branche muss sich neu orientieren und von ihren heutigen Manufakturstrukturen zur industriellen Serienfertigung kommen. Schlanke, kostengünstige Prozesse von den Zulieferern über die Fertigung und den transport bis hin zur Montage auf See sind nur mit intelligenter Logistik darzustellen.
Gerade der Kostenaspekt ist für die Offshore-Anlagen ganz entscheidend. Zurzeit sind die Kosten der Energieerzeugung auf See noch doppelt so hoch wie Onshore. Durchgängig gestaltete Logistikprozesse können einen starken Beitrag zur Senkung der Gesamtkosten leisten.
Daran haben wir intensiv gearbeitet. So sind wir nicht nur der erste Logistiker, sondern bislang auch der einzige, der diese Logistikleistungen in der erforderlichen Komplexität anbieten kann. Daraus erwarten wir in den kommenden Jahren steigende Impulse.
In Bremerhaven wird ein Spezialterminal für das Offshore-Geschäft entstehen. In der Zwischenzeit kann der südliche Teil des Containerterminals für die Lagerung und den Umschlag der Anlagenteile genutzt werden, weil wir die Terminalkapazität zurzeit nicht in vollem Umfang für Container benötigen.
Gute Potenziale sehen wir auch in unsrem Geschäftsfeld Handelslogistik. In der Handelslogistik haben wir von der Krise nichts gespürt. Sie ist auf dem hohen Niveau geblieben und teilweise sogar noch gewachsen. Das ist darauf zurückzuführen, dass dieses Geschäftsfeld zu weiten Teilen von der Binnennachfrage getrieben wird – und die hat 2009 trotz der Krise nicht nachgelassen.
Über die Details zu den einzelnen Geschäftsbereichen und Geschäftsfeldern zu berichten, möchte ich meinen Vorstandskollegen überlassen. Deshalb bitte ich nun zunächst Herrn Kuhr, die Entwicklungen in den von ihm verantworteten Geschäftsbereichen AUTOMOBILE und CONTRACT zu erläutern.
Manfred Kuhr: Dann knüpfe ich doch gleich an das Thema Handelslogistik in unserem Geschäftsbereich CONTRACT an.
Unsere größten Kunden in der Handelslogistik sind Adidas, Ikea, Griesson de Beukelaer, Konica Minolta und Tchibo. Wir machen also die Logistik für starke Marken.
Die Geschäftsfeldverantwortlichen haben die für die Handelslogistik relevanten Märkte eingehend analysiert. Wir sind gegenwärtig dabei, in diesem Geschäftsfeld neue Kunden zu akquirieren und mit den Bestandskunden über die Ausweitung unserer Dienstleistungen zu verhandeln.
Zurzeit haben wir im Geschäftsfeld Handelslogistik schon rund 1.600 Arbeitsplätze. Wir denken, dass wir unser Geschäftsvolumen mittelfristig verdoppeln können.
Insgesamt haben wir im Geschäftsbereich CONTRACT 2009 einen Umsatz von gut 231 Millionen Euro erwirtschaftet. Das waren 45 Millionen Euro weniger als 2008. Dabei ging das Vorsteuerergebnis von 8,8 auf zwei Millionen Euro zurück.
Dabei war die Entwicklung im Einzelnen sehr unterschiedlich. Die Geschäftsfelder Autoteilelogistik, Industrie- und Seehafenlogistik waren rückläufig. In diesen Bereichen sind wir vom Weltmarkt abhängig und deshalb von der Krise betroffen.
Die Handelslogistik und unser COLDSTORE in Bremerhaven sind dagegen weiter gewachsen, weil sie weitgehend von der Binnennachfrage leben.
Ebenfalls im Einzelnen sehr unterschiedlich war die Entwicklung im Geschäftsbereich AUTOMOBILE. Mit insgesamt 4,7 Millionen Fahrzeugen im gesamten Terminal-, Transport- und Techniknetzwerk hatten wir 2009 eine Million Fahrzeuge weniger als im Vorjahr.
Unsere Position als führender Automobillogistiker Europas war dadurch aber nicht gefährdet, weil auch unsere Wettbewerber unter der Krise zu leiden haben.
Besonders hart betroffen waren wir auf unseren großen Seeterminals in Bremerhaven und Gioia Tauro, wo das Umschlagsvolumen um mehr als 40 Prozent zurückging. Damit wurden auch unsere Technikzentren in Mitleidenschaft gezogen.
Einige andere Autoterminals wie zum Beispiel Hamburg und Kelheim haben dagegen noch zugelegt. Das hatte aber mit Volumenverschiebungen in Teilmärkten zu tun, von denen diese Terminals profitieren konnten.
Gewachsen sind wir 2009 auch bei den Autotransporten. Ursächlich dafür war die Abwrackprämie, die in Deutschland zu Rekordzulassungszahlen führte. Dieser Sondereffekt ist mit dem Auslaufen der Prämie aber vorbei, so dass wir bei den Transporten erst in diesem Jahr die Krise spüren.
Das gilt auch für unsere Technikzentren. Der Markt mit importierten Kleinwagen ist durch die Abwrackprämie gesättigt. Das merken wir vor allem in Bremerhaven an den deutlich zurückgegangenen Importen.
Sehr gut vom Markt angenommen wird unsere BLG AutoRail. Wir bringen seit Herbst 2008 ständig neue Ganzzüge in Fahrt. 1.275 Waggons werden wir bis 2014 beschaffen. Das entspricht dann 75 Ganzzügen.
Außerdem investieren wir in die Beschaffung von 80 neuen Lkw für den Autotransport. Damit wächst unsere Flotte auf rund 530 Transporter.
2009 bewegte die BLG AutoRail rund 100.000 Fahrzeuge. In diesem Jahr rechnen wir etwa mit einer Verdoppelung auf rund 200.000 Fahrzeuge.
Chancen für die Automobillogistik sehen wir in Gegenwart und Zukunft vor allem in Osteuropa. Wir sind schon seit einigen Jahren dabei, uns dort zu engagieren. Vertreten sind wir inzwischen in Russland, Polen, in der Ukraine, in Tschechien, in der Slowakei und in Slowenien.
Mittelfristig werden wir noch ein Terminal nahe der weißrussischen Grenze aufbauen, wo wir von der europäischen Normalspur auf die breitere russische Spurweite wechseln können. Außerdem möchten wir uns in einem Hafen am Schwarzen Meer engagieren. Die Standorte stehen aber noch nicht fest.
Der Geschäftsbereich AUTOMOBILE erwirtschaftete 2009 einen Gesamtumsatz von gut 298 Millionen Euro. Das waren 37 Millionen Euro weniger als 2008. Dabei schrumpfte das Vorsteuerergebnis von 22,7 Millionen auf 4,2 Millionen Euro zusammen.
Soweit, meine Damen und Herren, mein Überblick zu den Geschäftsbereichen CONTRACT und AUTOMOBILE. Damit gebe ich nun weiter an Herrn Schiffer, der im Gemeinschaftsunternehmen EUROGATE für unseren Geschäftsbereich CONTAINER verantwortlich ist.
Emanuel Schiffer: 2009 haben wir an unseren Containerterminals insgesamt 12,5 Millionen TEU umgeschlagen. Das waren 12,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang an den deutschen Terminals lag mit 18,5 Prozent im Durchschnitt der europäischen Terminals. An den italienischen Terminals betrug der Rückgang 9,5 Prozent.
Da unsere Wettbewerber ebenfalls von der Krise gezeichnet waren, konnten wir unsere Position als führender Terminalbetreiber Europas trotzdem gut behaupten.
Etwa parallel zu den Umschlagsmengen gingen auch die Umsatzerlöse um 17,3 Prozent auf 591 Millionen Euro zurück. Das Vorsteuerergebnis sank um 80,4 Millionen auf 48 Millionen Euro. Davon entfällt im Gemeinschaftsunternehmen EUROGATE ein Anteil von 50 Prozent auf die BLG.
Die Erweiterung CT 4 des Containerterminals Bremerhaven wurde im vergangenen Jahr komplett fertig gestellt. Dazu gehört auch der Bahnterminal im rückwärtigen Bereich des CT 4.
Im August 2009 wurde das Planfeststellungsverfahren für die Westerweiterung des Containerterminals Hamburg aufgenommen. Mit der geplanten Erweiterung wird unsere Umschlagskapazität in Hamburg von derzeit 4,1 Millionen auf rund sechs Millionen TEU steigen. Mit einer Fertigstellung ist aber erst 2017 bis 2019 zu rechnen.
Was wir sowohl in Hamburg als auch in Bremerhaven dringend brauchen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Westhäfen nicht zu verlieren, ist die Anpassung der Fahrrinnen in Elbe und Weser an den Bedarf der großen Containerschiffe. Ebenso wichtig ist der Ausbau des Nordostseekanals für die zunehmend größeren Schiffe.
Die Baumaßnahmen am russischen Containerterminal in Ust Luga, an dem EUROGATE mit 20 Prozent beteiligt ist, wurden aufgrund der Krise ausgesetzt. Die ursprünglich für 2009 geplante Inbetriebnahme soll nun im ersten Halbjahr 2011 erfolgen.
Damit hat unser russischer Partner, die National Container Company, die richtige Weiche gestellt. Der Containerumschlag in Russland ist wesentlich stärker zurückgegangen als der in Westeuropa. Die Verzögerung der Fertigstellung heißt, dass die erforderlichen Investitionen gestreckt werden und die Finanzierung dann auf solideren Füßen steht, wenn die Terminalkapazitäten nach der Krise auch wirklich gebraucht werden.
Anders ist die Situation am JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Dort wollen die
JadeWeserPort Realisierungsgesellschaft und deren Gesellschafter, die Länder Niedersachsen und Bremen, den Terminal unbedingt termingerecht im November 2011 fertig stellen.
EUROGATE Container Terminals Wilhelmshaven mit den Gesellschaftern EUROGATE und APMT hat vertragskonform die Verschiebung um drei Monate zum Februar 2012 angeregt, da nicht gewährleistet werden kann, dass die Reeder ausreichend Schiffsanläufe zum JadeWeserPort sicherstellen können.
Das heißt aber keineswegs, dass der JadeWeserPort insgesamt in Frage zu stellen ist. Mittel- und langfristig wird er unbedingt benötigt. Aufgrund der nautischen Qualität mit der komfortabeln Wassertiefe für die tideunabhängige Erreichbarkeit für die größten Containerschiffe ist der JadeWeserPort dringend erforderlich.
EUROGATE, unsere Gesellschafter BLG und EUROKAI, unsere Partner in der Betreibergesellschaft, das Maersk-Schwesterunternehmen APM Terminals und die National Container Company, stehen unverändert zu ihrem Engagement in Wilhelmshaven. Der JadeWeserPort ist unverzichtbar.
Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, das Wort an Herrn Onnen weitergeben, der bei der BLG für die Finanzen verantwortlich ist.
Hillert Onnen: Wesentliche Kennziffern für den BLG-Konzern und die drei Geschäftsfelder sind ja schon genannt worden. Zur Ergänzung gebe ich Ihnen aber noch ein paar Detailinformationen.
Noch einmal das Konzernergebnis vor Steuern Es belief sich auf 16,5 Millionen Euro. Der Umsatz ging um etwa 140 Millionen auf circa 820 Millionen Euro zurück.
Alle drei Geschäftsbereiche schlossen 2009 positiv ab.
Vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sich auch das operative Ergebnis, das so genannte EBIT, deutlich verringert – und zwar von 61,7 Millionen auf 35,2 Millionen Euro.
Korrespondierend mit diesem Ergebnis verringerte sich auch unsere Umsatzrendite von 10,1 Prozent auf 4,3 Prozent. Herunter gebrochen auf die drei Geschäftsbereiche ist das eine Umsatzrendite von 11,5 Prozent im Geschäftsbereich CONTAINER, von 3,5 Prozent im Geschäftsbereich AUTOMOBILE und von 2,3 Prozent im Geschäftsbereich CONTRACT.
Erfreulich ist, dass sich die Eigenkapitalquote nach wie vor auf einem hohen Niveau von circa 32 Prozent befindet. Dies ist für unsere Finanzierung gegenüber den Banken wichtig. Ich kann Ihnen sagen, dass wir auch in der Krise keine Finanzierungsprobleme haben.
Unsere Investitionen betrugen 2009 insgesamt 77,8 Millionen Euro. 2008 waren es 170,7 Millionen Euro. Die hohe Differenz zwischen diesen beiden Geschäftsjahren ergibt aber kein exaktes Bild über unsere Investitionstätigkeit.
Wir konnten unsere Investitionen 2009 weitestgehend aus dem Cashflow, der 83,4 Millionen Euro betrug, finanzieren.
In den Jahren 2007 und 2008 hatten wir im Vergleich zu den Vorjahren sehr hohe Investitionen. Dabei war der Geschäftsbereich CONTAINER der Schwerpunkt. Den Fünfjahresvergleich finden Sie auf der Seite 186 unseres Geschäftsberichtes.
Die Geschäftsjahre 2005 und 2006 sind mit 97,6 beziehungsweise 96,3 Millionen Euro eher beispielhaft für unsere jährlichen Investitionen. Damit verglichen lagen wir 2009 um knapp 20 Millionen Euro unter dem Durchschnitt. Diese Differenz entspricht etwa der Summe, die wir durch Streckung oder Aussetzung von Investitionen vor dem Hintergrund der Krise eingespart haben.
Herr Aden hat eingangs von den notwendigen Zugeständnissen der Arbeitnehmer in der Krise gesprochen. Dazu ein kurzer Blick auf die entsprechenden Finanzkennzahlen. Unsere Personalkostenquote ist von 2008 auf 2009 nur um 1,4 Prozent auf 46,3 Prozent zurückgegangen.
Das heißt, die inzwischen erreichten tariflichen Veränderungen schlagen sich im Jahr 2009 kaum nieder. Sie werden aber in diesem Jahr und in den Folgejahren stärker spürbar.
Zum Schluss noch unser Dividendenvorschlag: Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung am 3. Juni vorschlagen, den Bilanzgewinn der Aktiengesellschaft in Höhe von 960.000 Euro zur Ausschüttung einer Dividende von 25 Cent pro Aktie zu verwenden. Das entspricht einer Dividende von 10 Prozent. Damit steht die BLG AG auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu ihrer kontinuierlichen Dividendenpolitik.
Damit, meine Damen und Herren, möchte ich meinen heutigen Part beschließen und das Wort an unseren Arbeitsdirektor Herrn Mekelburg weitergeben.
Hartmut Mekelburg: Unser Hauptziel im Geschäftsjahr 2009 und auch in diesem Jahr war die Sicherung der Stammarbeitsplätze in der BLG-Gruppe. Die leichte Reduzierung der Belegschaft um 124 auf 5.929 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erklärt sich ausschließlich aus der natürlichen Fluktuation.
Dies ist die exakt konsolidierte Zahl unserer Beschäftigten, also unter Berücksichtigung der Anteile der jeweiligen Belegschaften an unseren Beteiligungen. Die genaue Aufstellung nach den Geschäftsbereichen finden Sie auf der Seite 80 unseres Geschäftsberichtes.
Im Gesamtkonzern haben wir weltweit zurzeit rund 14.500 Arbeitsplätze. Das sind etwa 1.300 weniger als vor einem Jahr. Von dieser Reduzierung betroffen war in erster Linie der GHBV in Bremen und Bremerhaven. Wir haben in Teilen unseres Unternehmens aber vorübergehend auch das Instrument Kurzarbeit genutzt.
Die Stammarbeitsplätze zu erhalten, ist nicht nur eine Frage der sozialen Verantwortung. Dies liegt natürlich auch im unternehmerischen Interesse. Qualifikation, Motivation und Leistungsbereitschaft lassen sich nicht kurzfristig aufbauen. Wir wollen das vorhandene Niveau unserer Belegschaft auch in der Krise erhalten.
Dieses Niveau bestimmt die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens. Nur so können wir unsere Doppelstrategie erfolgreich umsetzen und nach der Krise wieder voll durchstarten.
Dazu gehört auch, dass wir die hohe Zahl unserer Ausbildenden trotz der Krise stabil halten. Insgesamt sind 344 junge Menschen bei uns in der Ausbildung.
Des Weiteren haben wir auch unsere Weiterbildungsmaßnahmen und Qualifizierungsoffensiven unverändert fortgesetzt, um den Fachkräftebedarf für morgen und übermorgen sicherzustellen.
Detthold Aden: Vielen Dank an meine Kollegen für die Einzelberichte.
Ich möchte Ihnen, meine Damen und Herren, nun noch einen kurzen Einblick in das laufende Geschäftsjahr geben.
Wir haben zurzeit eine etwas merkwürdige Situation. Der Autoexport in Bremerhaven boomt geradezu. Im ersten Quartal haben wir 258.000 Fahrzeuge umgeschlagen. Das sind 60 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – der allerdings auch extrem schwach war.
Auf der anderen Seite sind die Importe noch einmal unter das Niveau des Vorjahres gerutscht – und zwar um 26 Prozent. Das extreme Missverhältnis zwischen Exporten und Importen ist für die Funktion Bremerhavens als Automobildrehscheibe sehr negativ.
Zudem ist die Wertschöpfung bei Exportfahrzeugen eher gering. Die Fahrzeuge haben sehr kurze Standzeiten, so dass wir dafür kein Lagergeld fakturieren können. Und es gibt an den Exportfahrzeugen kaum technische Dienstleistungen – also auch keine zusätzliche Wertschöpfung.
Bei den Exporten ist es augenblicklich vor allem die Nachfrage nach deutschen Premiumfahrzeugen in China. Seit März laufen aber auch die Exporte in die USA wieder recht gut.
Die geringe Nachfrage nach kleineren Fahrzeugen aus Asien in Deutschland ist eine Folge der ausgelaufenen Abwrackprämie. Der Markt ist gesättigt und mit einem baldigen Anspringen der Nachfrage ist nicht zu rechnen.
Sehr unterschiedlich entwickeln sich auch die Automobiltransporte. Während unsere BLG AutoRail auf der Schiene erheblich mehr Fahrzeuge transportiert als im ersten Quartal 2009, liegen die Straßentransporte unter dem Vorjahresniveau.
Die rückläufigen Straßentransporte sind ebenfall eine Folge der ausgelaufenen Abwrackprämie. Die Zunahme der Bahntransporte ist auf die gute Akzeptanz unserer Angebote im Markt und auf die steigende Zahl der Waggons zurückzuführen.
Beim konventionellen Umschlag im Neustädter Hafen waren die ersten beiden Monate dieses Jahres weiterhin sehr schwach, der März dagegen ziemlich stark. Wir wissen aber nicht, ob das ein Strohfeuer war oder ob sich der konventionelle Markt nun tatsächlich wieder normalisiert.
Der Containerumschlag lag im ersten Quartal zweistellig über dem entsprechenden Vorjahresvergleichszeitraum. Auch hier wissen wir nicht, ob das eine vorübergehende Erscheinung ist oder ob man dahinter schon eine Erholungstendenz sehen kann.
Das ist gegenwärtig überhaupt ein Problem. Zuverlässige Marktindikatoren sind absolute Mangelware. Die Analysen der Wirtschaftsforschungsinstitute signalisieren in der Summe ein leichtes Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent in diesem Jahr.
Das heißt, bei solchen Wachstumsraten würden wir auf jeden Fall mehrere Jahre brauchen, um das Niveau von 2007 und 2008 wieder erreichen zu können.
Damit rechnen auch unsere großen Reederkunden. Die schon seit September allmählich wieder zunehmenden Seetransporte und insbesondere die letzten Monate spiegeln diese Einschätzungen allerdings überhaupt nicht.
Die Tatsachen übertreffen die Erwartungen bei Weitem. Die Frage ist jedoch: Setzt sich die positive Entwicklung fort oder haben wir es hier nur mit einer vorübergehenden Erscheinung zu tun?
Bei den Automobilen war abzusehen, dass die Abwrackprämie 2009 für Rekordzulassungen in Deutschland sorgt und erst 2010 das schwierige Jahr für die Branche und damit auch für uns sein wird. Nicht abzusehen aber war der plötzliche Exportboom Richtung China, der in der zweiten Januarhälfte einsetzte.
Das Plus von knapp sechs Prozent beim konventionellen Stückgut, das weitgehend nur vom Monat März getragen war, geht auch nur auf eine einzige Warengruppe zurück, während alle anderen Warengruppen deutlich im Minus liegen.
Wir können zurzeit nicht zuverlässig sagen, wie das Gesamtjahr 2010 verlaufen wird.
Wächst der Containerumschlag weiterhin zweistellig? Das wäre gegenüber 2009 schon ein guter Schritt nach vorne.
Wenn der Automobilexport ebenfalls bei zweistelligen Wachstumsraten bleibt, sich die Importe im weiteren Jahresverlauf erholen und sich auch die Fahrzeugtransporte wieder stabilisieren, dann schlägt sich das natürlich positiv in unseren Ergebnissen nieder.
Für den Geschäftsbereich CONTRACT ist zu hoffen, dass sich die Autoteilelogistik, die auch stark von der Krise betroffen war, im Jahresverlauf wieder erholt. Zudem erwarten wir neue Impulse aus dem Geschäftsfeld Handelslogistik.
In der Summe gehen wir davon aus, dass unser Vorsteuerergebnis 2010 zumindest leicht über dem von 2009 liegt. Von einer nachhaltigen Erholung der Weltwirtschaft gehen wir erst ab 2011 aus. Dann werden auch unsere Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen ihre volle Wirkung entfalten.
Sie sehen, meine Damen und Herren, wir schauen durchaus mit Optimismus nach vorne. Für verifizierbare Erwartungen und klare Aussagen hinsichtlich der weiteren Entwicklung gibt es trotz etlicher positiver Signale gegenwärtig noch zu viele Unwägbarkeiten.
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